Islamophobie als Folge einer beginnenden Integration?

Hab grad einen interessanten Artikel gelesen, der mich zu folgender Parallelen gebracht hat: Juden waren bis ins 18. bzw 19.Jhd nicht integrativer Teil der Gesellschaft. Sie lebten in Ghettos bzw Schtetl und meistens abgeschottet. Es gab zwar immer wieder Pogrome und Antisemitismus, aber erst als die Juden sich anfingen zu integieren und teilweise zu assimilieren, wurden sie als Gefahr angesehen. Was bekanntlich zu einem holocaust führte. Wobei gerade im 19Jhd dei Aufklärung usw. in Europa langsam Fuß fasste.
Also: Solange die Juden in ihrer Welt lebten und wenig Kontakt mit der anderen Bevölkerung bestand wurden sie nicht als große Gefahr gesehen.
Parallel dazu sah man muslimische Gastarbeiter usw. auch nicht als große Gefahr, solange sie ihre Moscheen und Kulturvereine in Hinterhöfen hatten und sich nach der Fabriksarbeit in ihrem “Mileu” verzogen. Letztendlich waren sie ja nur als Gäste hier, Gastarbeiter eben. In den letzten Jahren zeigen die Muslime aber immer mehr, dass sie Teil der Gesellschaft sein wollen und sind. – Weg vom Gastarbeiterimage hin zur Integration. Natürlich nicht alle. Aber das ist ein Prozess. Ok, damit werden diese Menschen aber sichtbar und fordernd (nämlich die Forderung als ein gleichberechtigter Teil der Gesellschaft). Für viele Einheimische stellt das eine Gefahr da, ja die Gefahr wird sichtbar. Das gilt natürlich wiederum nicht für alle.
Früher sah man den Fremdenhass und Rassismus als Teil der Arbeiterschicht. Denn die meisten Migranten stellten billige Arbeitskräfte dar. Langsam, und das ist wieder ein Anzeichen der Integration, arbeiten sich die Gastarbeiterkinder (zum Teil als Akademiker) hoch. Das führt dazu, dass dieses “Problem” nicht nur eines der Arbeiterschicht ist, sondern langsam der ganzen einheimischen Gesellschaft. Früher konnte man als gutbürgerlicher Mensch die Schuld dem “rassistischen Pöbel” anheften.

Was ist der Faden, der sich durchzieht? Warum werden diese Menschen als Gefahr gesehen? Einfach weil sie noch immer als Fremde gesehen werden, als Eindringlinge, nicht als Teil der Gesellschaft und gleichberechtigte Staatsbürger. Solange es eine “Angriffsfläche”, wie anderes Aussehen, andere Religion, anderer Name, gibt, ist das Risiko auch groß von der Mehrheitsgesellschaft als Fremde angesehen zu werden. D.h. dem katholischen Thomas Novak aus Brünn wird das weniger passieren als dem muslimischen Amadou Mbeki aus Ghana.

Anderseits sehen viele ihre Identität als Ablehnung einer anderen Identität. Man weiß nicht wofür man steht. Deswegen braucht man wahrscheinlich Feindbilder. Feindbilder machen vieles einfacher und bieten eine bequeme Antwort auf quälende Fragen.

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